Eine Ära geht zu Ende

In der Gemeinderatsitzung am 12. Dezember 2019, an seinem 65. Geburtstag, übergab unser Bürgermeister Johann „Johnny“ Reiter wie angekündigt seine Rücktrittserklärung an Amtsleiter Manfred Binder. Somit ist es offiziell - am 31. Dezember 2019 geht die Amtszeit eines der längstdienenden Bürgermeister im Bezirk Vöcklabruck zu Ende. Unser Bürgermeister tritt tags darauf seinen wohlverdienten Ruhestand an – nach über 22 Jahren im Amt und nach 32 Jahren in der Kommunalpolitik. Wir wollen ein wenig zurückblicken und DANKE sagen.

 

Johann Reiter wurde am 12. Dezember 1954 geboren und wuchs in Litzlberg auf einem „Bauernsacherl“ auf. Nach der Volksschule in Seewalchen und der Matura am Bundesgymnasium Vöcklabruck leistete er den Präsenzdienst beim Bundesheer ab und studierte dann „Biologie und Geowissenschaften“ an der Universität Salzburg. Das Studium schloss er als „Magister der Naturwissenschaften“ und mit der Lehramtsprüfung für Höhere Schulen in den Fächern Biologie und Umweltkunde, Chemie und Physik ab. Er unterrichtete bis 1998 an der Höheren Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe und der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Don Bosco Schwestern in Vöcklabruck.


Nach dem Eintritt ins Berufsleben und der Familiengründung wurde Johann Reiter im Jahr 1987 vom damaligen ÖVP-Gemeindeparteiobmann Heinz Holzapfel ins Seewalchner ÖVP-Team geholt. Als anfangs noch parteifreier Mitarbeiter und Umweltreferent der ÖVP Seewalchen machte er sich mit vielen Aktionen einen Namen als engagierter und kompetenter Umweltschützer. Höhepunkt seines Einsatzes für Natur und Umwelt war die von ihm initiierte Aktion „Wir retten das Gerlhamer Moor“ gemeinsam mit der ÖNJ Vöcklabruck.

Durch diese (Spenden-) Aktion konnte die Naturschutzjugend das zum Verkauf stehende Moorgebiet mit Unterstützung des Landes und der Marktgemeinde Seewalchen erwerben. Das Gerlhamer Moor wurde in weiterer Folge im Jahr 1994 zum Naturschutzgebiet erklärt. Für sein Engagement im Dienste des Umweltschutzes erhielt Johann Reiter im Jahr 1989 den „Umweltschutzpreis des Landes Oberösterreich“.

1991 wurde Johann Reiter zum ÖVP-Gemeindeparteiobmann gewählt und präsentierte zur Gemeinderatswahl 1991 ein neues Team, welches auf Anhieb 4 Mandate dazugewann. Von 1991 bis 1997 war Johann Reiter 2. Vizebürgermeister und übernahm bis 1995 auch den Vorsitz im Umweltausschuss. Im Jahr 1997 wurde er bei der ersten Bürgermeister-Direktwahl zum Bürgermeister gewählt und sowohl im Jahr 2003 als auch in den Jahren 2009 und 2015 - trotz jeweils zweier Gegenkandidaten - bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt. Seit 2001 ist er auch Obmann des Regionalentwicklungsvereins Attersee-Attergau (kurz: REGATTA).

In den 22 Jahren seiner Amtszeit wurden zahlreiche große Bau- und Infrastrukturprojekte umgesetzt. Beginnend mit der Fertigstellung des noch von seinem Vorgänger Josef Limberger gestarteten Neubaues des Rathauses folgten die Neugestaltung des Rathausplatzes, des Eislaufplatzes und des Gefallenendenkmals sowie der Neubau von 25 Betreubaren Wohnungen.
Unter Bürgermeister Reiter gelangen u.a. die Ansiedlung der Asfinag Autobahnmeisterei, des Transportlogistikers Marek (jetzt: Fahrzeugbedarf Kotz) und des High Tech Kunststoffproduzenten Ensinger-Sintimid. Auch die Zentrale der Raiba-Attersee-Nord und das Eurospar-Fachmarktzentrum mit Hervis und BIPA konnten nach Seewalchen geholt werden.

Ein Meilenstein in der Ortsentwicklung war die Schaffung eines neuen Kerngebietes im nördlichen Ortszentrum rund um die Anton Brucknerstraße. Statt zweier „Industrieruinen“, den Resten der früheren Großbetriebe Kastinger und Aigner, wurde ein modernes Wohn-Geschäftsgebiet entwickelt. Neben den Neubauten der Einkaufsmärkte von Müller, Billa und Penny und von Fussl Textil wurde die Nahversorgung u.a. auch durch das „Schönleitner-Projekt“ mit der Rosenwind-Apotheke weiter verbessert. Daneben fanden in den Wohnbauten  (Schönleitner-Bau, Kieninger-Bau, IPB-Reihenhausanlage Aignerstraße) mit 40 Wohnungen insgesamt über 100 Menschen einen modernen Wohnraum mitten im Zentrum.
Im Familien- und Bildungsbereich gelangen die Generalsanierung der Haupt- bzw. Mittelschule und des Kindergartens Seewalchen mit Ausbau auf 4 Gruppen. Weiters der Neubau eines viergruppigen Kindergartens in Rosenau und einer zweigruppigen Krabbelstube, die Einführung eines Schülerhorts, der nun in der Ganztagsschule gemündet ist. In Kemating und an der Promenade wurden neue Spielplätze, sowie eine neue Steganlage errichtet.

Der Neubau des Musikerheims für den Musikverein Rosenau und der Neubau der Volksschule Seewalchen waren weitere Großprojekte. Auch im Feuerwehrwesen wurde kräftig investiert. Ein Löschfahrzeug für die FF Kemating, ein Tanklöschfahrzeug für die FF Steindorf und ein Rüstlöschfahrzeug für die FF Seewalchen wurden angeschafft. Die beiden Feuerwehrhäuser der FF Kemating und der FF Steindorf wurden generalsaniert und erweitert. Der Neubau des Feuerwehrhauses der FF Seewalchen wird 2021 starten.

Johann Reiter war es immer ein besonderes Anliegen, dass ein gutes kommunalpolitisches Gesprächs- und Arbeitsklima herrscht, als Grundlage für fraktionsübergreifende Zusammenarbeit. Damit war es ihm in seinen 22 Jahren als Bürgermeister mit Ruhe, Geduld und Umsicht immer möglich, ausreichende Mehrheiten für die verschiedenen Vorhaben und Projekte zu finden. Unser Bürgermeister hat viel für unser Seewalchen geschafft und erreicht und auch vielen Menschen geholfen. Dafür gilt es, ihm ein großes DANKE zu sagen.

Liebe Seewalchnerinnen und Seewalchner! Johann Reiter war ein großartiger Bürgermeister! Wir in der ÖVP Seewalchen, und viele Menschen in Seewalchen, werden ihn als Kommunalpolitiker sehr vermissen! Wir wünschen ihm viel Freude und Gesundheit in der Polit-Pension, um all das ohne Termindruck machen zu können, wofür bisher zu wenig Zeit war.

Wir bleiben in Verbindung und freuen uns darauf, uns auch in Zukunft ab und zu an ihn als „Konsulenten“ wenden zu dürfen, wenn wir glauben, dass uns sein Rat und seine Erfahrung helfen kann.

 

 

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